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atelier D Leitung: Suncana Dulic, Rohrteichstraße 30a, 33602 Bielefeld Tel: 0521-58495420
Pavel Vasilišin „Bewegte Bilder“ Ein Blick in die Welt des Tango Zeichnungen und Gouachen Ausstellung vom 27. 11.2021- 22.01.2022 VERLÄNGERT BIS ZUM 1.4.2022!!!!
Weniges scheint so Klischeebehaftet zu sein, wie der Tango. Gespräche über ihn lassen Bilder im Kopf entstehen, welche die Beziehung der Geschlechter zum Thema haben. In Zeiten, in denen viel über die Gleichberechtigung der Geschlechter diskutiert wird, erscheint der Tango ein Relikt aus alten Zeiten. Dass dies kein Widerspruch sein muss, ist deutlich daran zu erkennen, dass die Tangomusik und der Tanz sich großer Beliebtheit erfreuen- auch in Bielefeld. Man vertiefe sich einmal in die unglaublich komplexen Bewegungs- abläufe, die in Symbiose mit einer – meist virtuos vorgetragenen – Musik stehen. Unbe- stritten sind die Einzigartigkeit und die Bedeutung des Tangos, der nicht zuletzt 2009 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt wurde. 
Als Künstler war Pavel Vasilišin vom unglaublichen Reichtum an Bildern fasziniert, der sich beim Tanzen ergeben kann. Vom Rande der Tanzfläche aus beobachtete er auf Milongas (öffentliche Tanzabende) und Performances das Geschehen mit Stift und Papier in den Händen. Die entstandenen Arbeiten ermöglichen dem Betrachter, einen alternativen Blick auf den Tango jenseits des Klischees zu werfen. Der Künstler war dabei mit dem Problem konfrontiert, die Bewegungen in Echtzeit festzuhalten – eine brauchbare Lösung war zu finden. So begann er, neben Bewegungsstudien, die aus tausenden von Linien zu bestehen scheinen, die Hauptrichtungen der Tanzbewegungen zu isolieren – zunächst als Schema, dann als Bildkomposition.
Entstanden ist dabei eine Serie konstruktivistisch anmutender Bilder. Sie tragen ein teilweise den Geist des Bauhaus in sich und  erinnern gleichzeitig etwas an die Arbeiten von Franz Marc, durch die stilisierten Schwünge und angedeuteten Körperformen, die sich in ihnen verbergen. Diese Arbeiten wirken frei und streng konstruiert gleichzeitig. Das ist nur ein scheinbarer Widerspruch, denn gerade durch diese Darstellung hat es Pavel Vasilišin mög- lich gemacht, Bewegung sicht- und spürbar zu machen auf einem Medium, dem Papier, das zwar zart und zerreißbar, jedoch zu ewiger Statik verdammt ist.
Gleichzeitig ist der Tango eine Welt für sich, mit seinen eigenen Helden. Pavel hat sie in sei- nen Portraits verewigt. Das erinnert an die Ausstellung „Gesichter“, die er 2015 im atelier D   gezeigt hat, und bei der er neben berühmten Persönlichkeiten auch Menschen aus seiner persönlichen Umgebung portraitiert hat.
In dieser Ausstellung zeigen wir mit einigen Arbeiten die Gesichter des Tango wie  D‘ Arienzo, Di Sarli, Troilo, Pugliese, Piazolla, Gardel   und weitere.
Die Ausstellung bietet nicht nur echten Tangokennern etwas, sondern richtet sich genauso an Nichttangotänzer und ist auch über den Tango hinaus sehr sehenswert. Die gezeigten Arbeiten, die in den Jahren zwischen 2018 und 2020 entstanden sind, tragen in sich etwas Universelles. Es geht um Raum, Bewegung, Konzentration, Nähe, Stil und Eleganz, alles Aspekte, die in unserer modernen  Zeit manchmal vernachlässigt werden. Es tut gut, sich diesen Verfeinerungen hinzugeben und die Bilder zu betrachten, die allen Moden und In- Themen des zeitgenössischen Kunstbetriebs trotzen und dank ihrer Eigenständigkeit über- zeugen. Es sind insgesamt über 300 Arbeiten in kleinen A4 Formaten zu sehen. Eine mög- lichst große Auswahl davon wird die Wände des atelier D füllen.
Der tanzbegeisterte Pavel Vasilišin ist in Tschechien geboren und als junger Mann nach Deutschland emigriert. Er studierte Freie Kunst in Freiburg und ist nun Künstler des Morat-Instituts für Kunst und Kunstwissenschaft in Freiburg. Dies ist seine zweite Ausstellung im atelier D. Text: Sunčana Dulić, Fotos: Hans-Christoph Brinkschmidt und Sunčana Dulić