Christian Knieps Tafelbilder
Ausstellung vom 17.02.2018 - 21.04.2018
Die Bilder von Christian Knieps zeigen scheinbar beiläufige Momente des Alltags, mit der Kamera will- kürlich eingefrorene Zeit. Doch nichts ist in ihnen zufällig, sie sind bis ins letzte Detail durchkomponiert. Der Fotograf arrangiert und ordnet, verändert Gegenstände, setzt Menschen in Position und ins rechte Licht. Alles ist Komposition und Arrangement. Wer genau hinsieht, spürt, dass da etwas seltsam ist, dass ein gewisser Hauch von Unwirklichkeit in den Fotos mitschwingt.   Der Betrachter neigt dazu immer noch anzunehmen, Fotos seien ein getreues Abbild der Wirklichkeit. Christian Knieps geht in seiner Arbeit den umgekehrten Weg: er manipuliert die Wirklichkeit und er- schafft eine durch und durch fiktive Welt. Seine Fotografien nennt er Tafelbilder in Anlehnung an die Gesellschaftsmalerei des 17. Jahrhunderts. Es geht darum, ein Bild von der Welt zu machen und gleichzeitig zu reflektieren, dass ein Foto immer ein modellhafter Entwurf von Realität ist, niemals ein originalgetreues Abbild. Die Personen weisen über das im Bild festgehaltene Geschehen hinaus auf eine größere Rahmenhandlung hin, deren Plot jedoch im Verborgenen bleibt. Es ergibt sich eine Orientierungslosigkeit für Betrachter und Protagonisten und damit eine Parallele zum alltäglichen Erleben: Man handelt im Moment, ohne Überblick über die Vergangenheit und die Zukunft. Die Gesten der Protagonisten werden nicht im Hinblick auf den entscheidenden Moment eingefroren, sondern theatral überhöht. Die Fotografie weist über ihre eigene Bildtradition hinaus und wird i hrer medialen Vorgängerin, der Malerei und – durch ihre narrative Struktur – ihrem Nachfolger, dem Kino gegenübergestellt.
Neben den Protagonisten gibt es noch die arrangierten Landschaften aus diversen Haushaltsgegenstän- den, Müll und Möbeln, sowie Stillleben aus Alltagsgegenständen. Die Form der Überhöhung der darge- stellten und arrangierten Sujets trägt den Geist der Flämischen Meister aus dem 17. Jahrhundert in sich, was von Christian Knieps bewusst umgesetzt wurde.
Diese Malerei, die zur Zeit des sogenannten „goldenen Zeitalters“  entstanden ist, ist in der Kunstge- schichte beispielslos. Die kleinen Niederlande entwickelten sich im 17. Jahrhundert zur wirtschaftlichen Führungsmacht. Daneben wurden durch die dort herrschende Religionsfreiheit Menschen aus allen gei- stigen Richtungen angezogen und die junge Republik bot ihnen die nötige Bewegungsfreiheit zur Entfal- tung künstlerischer und geistiger Tätigkeiten.  Der Wunsch nach Kunstbesitz ließ eine wahre Großpro- duktion an weltlichen Malereien entstehen. Die Bilder dienten als Statussymbole und sollten den gesell- schaftlichen Rang ihrer Auftraggeber betonen. Dazu wurden aufwendig inszenierte Tafelbilder geschaffen. Als einige Beispiele dafür gelten die Stillleben von Willem Kalf und Willem Claesz. Heda, Jan van Goyen, Jacob van Ruisdael und Meindert Hobbema standen für die Landschaftsmalerei  und Pieter de Hooch für das Gesellschaftsstück. Diese Maler sind heute nicht so sehr bekannt, waren aber in dieser Zeit sehr er- folgreich. Die Spitzenmaler, die heute jeder kennt aus der flämischen Malerei dieses Jahrhunderts, waren damals unbedeutend  und  nicht typisch für ihre Zeit. Die Rede ist von Rembrandt, Vermeer und Rubens.
Ein Maler, den Christian Knieps mit dem oben abgebildeten Narziss (s.o.) zitiert, ist Caravaggio.Sein „Chiaroscuro“, die Hell-Dunkel-Malerei ist sein Markenzeichen und war bis dahin unbekannt. Er hatte trotz seines kurzen Lebens einen enormen Einfluss über die Grenzen Italiens hinaus und besonders die flämische Malerei profitierte davon. Sein Naturalismus löste den, in der Malerei vorherrschenden, Manierismus ab. Ganze Delegationen von flämischen Malern sind im 17. Jahrhundert nach Rom gereist um seine Werke zu studieren. Es bildete sich die Gruppe der erklärten „Caravaggisten“.
Manche Fotos von Chistian Knieps sind stark angelehnt an existierende Werke aus dieser Zeit, aber gleichzeitig sind sie auch extrem entfremdet. Sie schlagen einen weiten Bogen.  Einige seiner Bilder tragen aber nur im Wesentlichen den Geist der alten Malerei in sich, ohne sich dabei auf ein konkretes Gemälde zu beziehen. Der Magie, die das schafft, kann man sich nicht entziehen. Christian Knieps ist es mit seinen Tafelbildern gelungen eine Welt außerhalb von Zeit und Raum zu erschaffen, die über das Dargestellte hinausführt. Geschichten aus der Vergangenheit wandern in die Zukunft und wirken nach: Das goldene Zeitalter trifft auf die Postmoderne.
Christian Knieps studierte Kommunikationsdesign/Fotografie an der FH Dortmund und an der Folkwang- schule in Essen. 2005 schloss er mit Diplom bei Professor Bernhard Prinz ab.Zuvor studierte er Ge- schichte, Politikwissenschaft und Romanistik an der Universität Köln. Dies ist seine erste Ausstellung im atelier D.
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